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4 Beutel Asche – Boris Koch

Ein berührender Roman über Freundschaft, Liebe, Verlust und die Freuden des Lebens.

Vier Beutel Asche

Inhalt:

Mit 16 stirbt Christoph bei einem Autounfall – und lässt seinen besten Freund Jan in Wut und Trauer zurück. Als dieser eines Nachts an Christophs Grab kommt, trifft er dort auf Maik, Lena und Selina. Alle vier haben den Verlust noch nicht überwunden und können nicht verstehen, wie die anderen einfach so zur Normalität zurückkehren können.
Und da Christoph immer ein Leben in Freiheit wollte, beschließen die vier, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen: eine Seebestattung, selbst wenn das bedeutet, dass sie auf eigene Faust bis zum Atlantik fahren müssen.

Meinung:

Würdest du den letzten Wunsch deines besten Freundes erfüllen, selbst, wenn du dafür seine Asche ausgraben und in Plastikbeuteln auf Motorrädern bis an den Atlantik bringen müsstest?
Ich hätte mir bislang nicht vorstellen können, so etwas verrücktes zu tun, doch Boris Koch zeigte mir mit seinem einfühlsamen Roman, wie aus normalen Jugendlichen, plötzlich Abenteurer werden, warum Einzelkämpfer sich zusammentun und wie aus Hass und Rachegelüsten Liebe und Freundschaft entstehen.

„Vier Beutel Asche“ ist definitiv ein Roman, in dem mehr steckt, als man zunächst denkt. Das Cover wirkt nicht besonders ansprechend, der Klappentext ist okay und auch der Anfang konnte mich nicht wirklich umhauen (was vielleicht auch daran liegt, dass das Buch aus der Sicht eines Jungen geschrieben ist, womit ich allgemein nicht so viel anfangen kann), doch langsam aber sicher merkt man, wie tiefgründig er eigentlich ist und wie viele Wahrheiten darin ausgesprochen werden.

Jan war mir als Protagonist nicht sonderlich sympathisch Er raucht, trinkt, denkt dauernd an gutaussehende Mädchen und Sex – der typische männliche Ich-Erzähler. Im Laufe des Buches wird aber klar, dass das nun einmal seine Art ist, mit dem Verlust seines besten Freundes umzugehen und dass er im Grunde ein gutes Herz hat.
Durch die kurzen Rückblicke in seine Kindheit erfährt man auch viel über Christoph und darüber, wie nahe sich die beiden standen und gewinnt den anderen sogar nach seinem Tod noch lieb.

Auch die Nebencharaktere sind wunderbar ausgearbeitet, nicht unbedingt die Charmebolzen in Person, aber authentisch und ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Menschen mit Verlusten, Enttäuschungen und Problemen umgehen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass jeder von ihnen eine eigene Geschichte hatte, wie er Christoph kennengelernt hat und man mit jedem Kapitel nicht nur über sie, sondern auch über ihren verstorbenen Kumpel mehr erfährt.

Die Handlung selbst ist ein schräger Roadmovie – nicht immer ganz logisch, oft viel zu einfach um wahr zu sein, aber eine so schöne Geschichte über Liebe, neue Freundschaften und den Tod, dass solche kleinen Makel nicht stören.
Dabei versucht der Autor keinesfalls den Psychologen zu spielen oder einem einzureden, das Leben müsse weitergehen, sondern macht dem Leser auf lockere, ungezwungene Art Mut, über seine Probleme zu reden und nicht alles in sich hineinzufressen.
Er zeigt auch, wie wichtig es ist, wütend zu sein – auf sich selbst, auf andere, aber auch auf den Toten – eine tolle Einstellung.

Der Schreibstil ist locker und gut geeignet für ein Jugendbuch, sehr direkt, aber auch einfühlsam und geht direkt ins Herz. Leider ist die Erzählweise manchmal ein bisschen zu sehr von Jans oben erwähnten, typisch männlichen Gedanken geprägt und man muss mit dem Protagonisten klarkommen.

Fazit:

„Vier Beutel Asche“ ist ein überraschend gelungener, sehr berührender Roman über den Verlust eines geliebten Menschen und die verschiedenen Arten, damit umzugehen. Auf eine lockere, aber sehr direkte Art bringt Boris Koch dem Leser die Protagonisten und die Botschaft seines Buches näher und hat damit meiner Meinung nach ein wirklich gelungenes Jugendbuch geschaffen.


Charly

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