Schlagwörter

, , ,

Lady Zero – Brigitte Kolloch & Elisabeth Zöller

Tolle  Idee, mäßige Umsetzung.

Lady Zero

Inhalt

Ihr Schulpraktikum absolviert Hanna bei Christiane, einer Freundin ihrer Eltern, die als Streetworkerin mit obdachlosen Jugendlichen zusammenarbeitet. Eigentlich soll sie das alles nicht zu nah an sich heranlassen, doch die Geschichte eines Mädchens berührt sie besonders und lässt sie nicht mehr los: Zero ist so alt wie sie und Hanna gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich noch ein Zuhause für sie finden wird.

Meinung

Dieses Buch wurde mir empfohlen, weil es angeblich das Leben der Obdachlosen sehr gut beschreibt, authentisch ist und insgesamt auf Nähe geht.
Leider kann ich dieser Bewertung nur teilweise zustimmen.

Die Idee ist in der Tat sehr interessant und sowohl der Einblick in die Arbeit eines Streetworkers als auch in das Leben auf der Straße ist wirklich lehrreich. Trotzdem erhebt das Buch keinesfalls Anspruch darauf, sich perfekt in die Straßenkinder hineinversetzen zu können (was schon mal ein Pluspunkt ist) denn erzählt wird es aus der Perspektive eines Mädchens aus gutem Hause, dass von seinen neuen Erfahrungen erst einmal wie erschlagen ist.
Teilweise wirkte ihr Entsetzen auf mich aber auch übertrieben und die Darstellung der Straßen-Szene ziemlich klischeehaft und insgesamt habe ich nicht das Gefühl, wahnsinnig viel gelernt zu haben.

Die Distanz im Erzählstil ist leider auch allgemein bei den Charakteren spürbar und ich konnte mich weder in Hanna noch in Zero wirklich hineinversetzen. Hanna erschien mir von ihren Gedanken her oft jünger als sie offenbar sein sollte und Zero kam mir zu aufgesetzt, ihre Gefühlsausbrüche zu künstlich und ihre Wandlung gegen Ende zu unrealistisch vor.

Überhaupt ist die Handlung eher ungeschickt konstruiert. Das Buch ist mit 190 Seiten für realistische Entwicklungen und ausführliche Erklärungen zu kurz, ein wirklicher Spannungsbogen ist nicht zu entdecken und einige Probleme werden aufgegriffen und nicht wieder erwähnt, während andere meiner Meinung nach viel zu einfach und nicht besonders glaubwürdig gelöst werden. Wie realistisch ist es schon, dass sich ein vom Leben enttäuschtes und verbittertes Mädchen, das seit langem auf der Straße lebt, innerhalb kürzester Zeit ändert, nur weil eine „kleine Spießer-Tussi“ auftaucht und Mitleid mit ihr hat?

Fazit

„Lady Zero“ bietet einen interessanten aber leider viel zu kurzen Einblick in das Leben eines Straßenkindes, wie es in Deutschland leider viel zu viele gibt. Leider überzeugt es nicht gerade durch realistische Figuren und Charakterentwicklungen oder eines ausgeklügelte Handlung.


Charly

Advertisements