Schlagwörter

, , ,

Das Schicksal ist ein mieser Verräter – John Green

‚Krebsbücher sind doof!‘ – Aber dies hier ist kein Krebsbuch…

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

„Ich will dir niemals so was antun“, erklärte ich.
„Ach, das würde mir nichts ausmachen, Hazel Grace. Es wäre mir eine Ehre, mir von dir das Herz brechen zu lassen.“
– Seite 162

Inhalt

Die sechzehnjährige Hazel hat Krebs.
Keinen Schritt kann sie tun, ohne eine Sauerstoffflasche, die Luft in ihre kranke Lunge pumpt und sie weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt.
Da trifft sie in einer Selbsthilfegruppe auf Augustus.
Die beiden sind sofort auf einer Wellenlänge und trotz ihrer Krankheit, ihres Schicksals und all der Sorgen, die sie sich eigentlich machen müssten, erleben die beiden das Abenteuer ihres Lebens:
Die Liebe

Meinung

Eine Rezension zu „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ schreiben ist die wahrscheinlich schwerste Aufgabe, die ich seit langem hatte. So viel Positives habe ich über dieses Buch gehört, für so viele Menschen ist es das beste Buch seit Monaten (wenn nicht sogar das neue Lieblingsbuch), dass ich beinah Angst habe, diesem Roman nicht gerecht werden zu können.

Als John Green den Titel seines neuen Buches bekannt gab, wurde es bereits 150 000 Mal vorbestellt. Die deutsche Übersetzung wurde dann mit großen Lobeshymnen der Kritiker angekündigt und als ich dieses Leseexeplar erhielt, waren im Netz bereits zahlreiche Fünf-Sterne-Bewertugen zu finden.
Eine Resonanz, die einschüchtert und mir zugleich das Gefühl gab, das Buch lieben zu müssen.

Trotz allem war ich misstrauisch, vor allem da ich von John Green bisher nicht allzu begeistert war. Seine Romane scheinen immer einem ähnlichen Schema zu folgen (eher unbeliebter, tollpatschiger „Loser“ lernt beliebtes, cooles und geheimnisvolles Mädchen kennen…), das mich nicht so recht überzeugen konnte.

Doch in diesem Punkt hat „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mich positiv überrascht.
Die Handlung ist vollkommen anders als die der früheren John-Green-Romane, das Buch ist um einiges angenehmer zu lesen und auch die Protagonisten wirkten auf mich wesentlich authentischer und vor allem sympathischer.
Solltet ihr also bereits Bücher von John Green gelesen haben, die euch leider nicht direkt umgehauen haben, würde ich euch seinen neuen Roman trotzdem ohne Bedenken empfehlen.

Dass „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ein Buch über Krebs ist, wäre nach dem Autor normalerweise der zweite Grund gewesen, weshalb es nicht gerade ganz oben auf meiner Wunschliste steht. Es gibt nun mal Themen, die in der Literatur schon sehr oft durchgekaut wurden und „Krebs“ gehört dazu.
Doch die Tatsache, dass die Protagonistin Hazel Krebsbücher ebenfalls doof findet, überzeugte mich davon, dass John Green dieses Thema eher unkonventionell und teilweise sogar komisch behandelt.

In der Tat ist „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ kein typisches „Krebsbuch“.
Wie Hazel erklärt, werden die Protagonisten in Krebsbüchern immer als Helden dargestellt. Sie leiden vorbildlich, gründen (heldenhaft wie sie nun einmal sind) eine Stiftung gegen Krebs, damit wenigstens noch anderen armen Kindern geholfen wird und wenn sie schließlich am Ende des Romans sterben, sagen alle, wie tapfer sie doch gekämpft haben.
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist da anders. Es erzählt keine Heldengeschichte, sondern einfach nur die Geschichte von Hazel und Gus, die blöderweise Krebs haben.

Die Ich – Erzählerin Hazel war mir von den ersten Seiten an sympathisch. Ihre Erzählweise trieft nur so vor Witz und Ironie und auch wenn sie ihr Schicksal und ihre Krankheit keinesfalls auf die leichte Schulter nimmt, bewahrt sie sich einen humorvollen Blick auf das Leben.
Doch so tough sie auch oft wirkt, Hazel hat auch Angst. Nicht vor dem Sterben, denn das ist unvermeidbar, aber davor, die Menschen, die sie liebt so unglücklich zu machen.
Sie nennt sich selbst eine „Zeitbombe“ und das ist auch der Grund, weshalb sie sich anfangs gegen ihre Gefühle für Augustus sträubt.
Ich muss sagen, ich bin wirklich beeindruckt, was für eine tiefgründige Protagonistin John Green da geschaffen hat.

Mit Gus war ich schon weniger zufrieden. Anfangs war er mir zu glatt und zu perfekt. Er kommt da rein, sieht klasse aus, ist intelligent und Hazel mag ihn sofort – Fertig! Man kann sich gut mit ihm unterhalten, er ist witzig und er versteht Hazel wie kein Zweiter. Das erschien mir sich etwas zu einfach.
Spätestens in der zweiten Hälfte des Buches wuchs er mir jedoch auch ans Herz, weil ich eine tiefgründigere, verletzliche Seite an ihm kennenlernte, die mich sehr berührt hat.

Erstaunlich an diesen beiden Protagonisten ist auch, dass sie trotz ihrer teilweise sehr philosophischen Weltsicht keinesfalls gekünstelt oder konstruiert wirken. Im Gegenteil. Ich selbst habe ich mich in manchen Fragen wieder erkannt bzw. kann mir durchaus vorstellen, dass jemand mit einem Schicksal wie Hazels sich mit solchen Themen beschäftigt.

Ähnlich geht es mir mit der Liebesgeschichte. Sie ist keinesfalls so übermäßig kitschig, wie ich erwartet hätte, sondern größtenteils realistisch. Der Roman beinhaltet genau die richtige Portion Romantik, die ich brauche, um mich mit einem Buch wohlzufühlen und ich konnte Hazels Gefühle für Gus (nach den bereits erwähnten, anfänglichen Schwierigkeiten) die meiste Zeit nachvollziehen.
Toll finde ich auch, dass sie sich ihm nicht sofort an den Hals wirft und ihm ewige Liebe schwört, sondern realistisch bleibt und sich Sorgen macht, sie könnte ihn verletzten, wenn sie stirbt.

John Greens Schreibstil ist erfrischend frech und ironisch, aber auch ebenso feinfühlig und ergreifend. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist also tatsächlich ein Buch, mit dem man lachen und weinen kann.
Meine Lieblingszitate füllen ganze zwei Seiten, weil dieser Roman voller spritziger Dialoge steckt, aber auch voller tiefgründiger Passagen, in denen über das Universum, das Leben und den Tod nachgedacht wird. Dabei findet der Autor immer die richtigen Worte, um mich zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.

Fazit

„Krebsbücher sind doof“ – Aber dies hier ist kein Krebsbuch.
Natürlich ist es auch eine dramatische Geschichte über das schwere Schicksal eines jungen Mädchens und eine herzzerreißende Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Aber vor allem ist es ein humorvolles, emotionales und zum Nachdenken anregendes Jugendbuch mit tiefgründigen, sympathischen und authentischen Protagonisten, spritzigen Dialogen und einigen Gedankengängen, an denen ich noch immer zu Knabbern habe. Dass es dabei auch noch um Krebs geht, macht den Roman natürlich nicht gerade zu einem „Friede-Freude-Eierkuchen-Buch“, hat jedoch keinesfalls zur Folge, dass John Green sich ausnahmslos in deprimierenden Schilderungen der Krankheit verliert.
Ich würde „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ jedem empfehlen, egal ob Jugendliche/r oder Erwachsene/r, egal ob man sich schon einmal mit dem Thema beschäftigt hat oder nicht und egal welche Vorurteile und/oder Erwartungen man auch gegen bzw. an Krebsbücher und John Green haben mag. Denn:
Dieses Buch unterhält nicht nur. – Es bewegt, es nimmt mit, es bringt einen zum Lachen und zum Weinen, und vor allem wird es lange im Gedächtnis bleiben.


charlios

Advertisements