Wörter auf Papier – Vince Vawter

Eine liebvolle und nahe gehende Geschichte mit einem wahren Kern.

Wörter-auf-Papier_VawterInhalt:

Vince Vawter ist ein Junge mit starken Gedanken und vielen Fragen.
Diese aber in Wörter zu fassen traut er sich nicht – nicht weil er schüchtern ist, nein, sondern weil Wörter seine schlimmsten Feinde sind – zumindest, wenn er sie aussprechen muss. Denn Vince hat einen Sprachfehler und stottert.
Als sein bester Freund Art (von ihm Rat genannt, weil das leichter zu sprechen ist) ihn jedoch seine Zeitungstour übernehmen lässt, während Art im Urlaub ist, beginnt für Vince ein ganz ungewöhnlicher Sommer.

Meinung:

Mit Wörter auf Papier hat Vince Vawter – nach eigenen Angaben – fast eine Autobiographie geschrieben, denn der stotternde Junge im Buch spiegelt die Kindheit des Autors wieder, welcher es bis heute nicht geschafft hat das Stottern komplett zu besiegen, aber gelernt hat damit umzugehen.
Ich würde sagen, den wichtigsten Schritt dorthin erzählt er uns in diesem Buch.

Die Geschichte, die Vince uns erzählt, erzählt er uns eigentlich gar nicht, sondern tippt sie für uns auf seiner Schreibmaschine.
Er ist eher der ruhige Typ, weil sein Sprachproblem ihn dazu bringt Dinge nicht auszusprechen und nicht nur in seinem Sprechverhalten äußert sich sein Sprachfehler: er geht ungern unter Leute, weil die meisten ihn wie einen geistig Behinderten behandeln oder sich in seiner Nähe sichtbar unwohl fühlen.
Jedoch auch sein Schreibstil wird beeinflusst, so hasst er die Kommasetzung und würde sie am liebsten abschaffen. Diese Eigenart hat der Übersetzer leider noch nicht mal durch eine Anmerkung dem Leser mitgeteilt, denn im englischen Original verwendet der Autor im ganzen Buch kein einziges Kommata. Man muss zugeben, im deutschen ist das ziemlich schwer umsetzbar.

Was der Übersetzer jedoch sehr gut geschafft hat umzusetzen, ist die Beschreibung des Problems das Vince mit bestimmten Buchstaben hat, denn einige sind leichter in der Aussprache als andere – eine Tatsache, die sich Leute ohne Sprachfehler kaum vorstellen können.
Diese Angst vor dem Aussprechen bestimmter Buchstaben bzw. Wörter wird vom Autor auch sehr gut gezeigt, indem einem erst sehr spät klar wird, wie der Hauptcharakter eigentlich heißt, denn er hasst seinen Namen, weil er mit ein paar Buchstaben darin (vorallem mit dem V am Anfang) nicht klar kommt. So spricht er ihn nie aus und schreibt ihn auch deswegen nicht auf. Es muss eine schwere Belastung sein, nicht einmal seinen eigenen Namen richtig aussprechen zu können.

Das Buch besitzt kein hohes Sprachniveau, was Sinn macht, da im Grunde ein Kind es schreibt, und ist meiner Meinung nach auch für ungeübte Leser empfehlenswert.
Vince Vawters Geschichte ist liebevoll und auch mit Witz geschrieben, wobei mir sein Kampf mit den Wörtern teilweise auch Trauer bereitet hat. Dennoch ist Vince ein starker Charakter, der sich nicht von seinem Sprachfehler unterkriegen lässt, sondern jeden Tag aufs neue kämpft und interessiert durch das Leben geht.
Ein wichtiger Aspekt, den dieses Buch ausmacht, sind die vielen verschiedenen Menschen, denen man begegnet. Es gibt sehr viele Nebencharaktere und jeder ist anders. Dies beschreibt sehr schön die vielen verschiedenen Typen von Menschen, mit denen sich Vince herumschlagen muss. Sowohl die, die er leiden kann, als auch die, denen er lieber nicht so oft begegnet.
Obwohl es doch relativ viele sind, hat man nicht bei einem das Gefühl, er wäre farblos; auf alle Nebencharaktere wird auf so eine unauffällige Art eingegangen, dass der Leser es gar nicht aktiv mitbekommt oder das Gefühl hat etwas anderes wird anstatt vernachlässigt. Es ist so, dass man irgendwie alle Charaktere in ihrem Verhalten versteht, ob man es gut heißt oder nicht.

Desweiteren widerfährt dem Hauptcharakter eine gute Charakterentwicklung, die der Geschichte auch zum Teil ihren Tiefgang verleiht.
Interessant zu erwähnen ist noch der Ort und die Zeit zu denen das Buch spielt – es handelt sich nämlich um das Amerika zur Zeit der Rassendiskriminierung, was einem erst im Verlauf von dem Buch richtig aufgeht. Es wird nämlich nie klar davon gesprochen, sondern immer nur die einzelnen Dinge angemerkt, die Vince auffallen, wenn er mit seiner dunkelhäutigen Haushälterin unterwegs ist.

Fazit:

Mit Wörter auf Papier habe ich ganz klar einen diesjährigen Favoriten für mich entdeckt. Vince Vawter erzählt uns eine liebvolle, einfühlsame Geschichte basierend auf seiner Jugendzeit.
Mit Humor und Ernsthaftigkeit begleitet man den jungen Vince ein Stück und lernt die verschiedensten Menschen kennen.
Ein Buch, das nicht durch seine spannende Handlung überzeugt (obwohl es teilweise schon spannend wird), sondern durch seine Realitätsnähe und die fesselnde Story.

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